Der Chief Resilience Officer (CRO): Das neue Vorstandsressort im Krisenalltag
Zwischen Geopolitik, Cyberangriffen und Lieferkettenabrissen: Warum immer mehr Konzerne Risikomanagement aus den Silos befreien und ein eigenes Vorstandsressort schaffen.

In 30 Sekunden
Klassisches Risikomanagement in Silos übersieht systemische Wechselwirkungen zwischen Lieferkette, IT und Finanzen.
Der Chief Resilience Officer verfügt über ein Vorstands-Vetorecht bei strategischen Investitionen mit hohem Verwundbarkeitsrisiko.
Kontinuierliche Krisensimulationen ersetzen theoretische Risiko-Matrizen im Jahresbericht.
Früher war Risikomanagement eine disziplinierte Pflichtübung für Wirtschaftsprüfer: Einmal im Jahr füllten Abteilungsleiter Tabellen aus, bewerteten Schadenshöhen und Eintrittswahrscheinlichkeiten, und der Vorstand heftete den Bericht ab.
In einer Welt multipler, gleichzeitig auftretender Krisen (Permakrise) ist diese statische Betrachtung lebensgefährlich. Wenn ein Cyberangriff die Logistik lahmlegt, gleichzeitig ein geopolitischer Konflikt Rohstoffrouten kappt und eine Naturkatastrophe ein Lieferantenwerk zerstört, greift kein Einzelplan mehr.
Das Mandat des Chief Resilience Officer
Der CRO bündelt die Fäden, die bisher zwischen CISO, COO, CFO und Rechtsabteilung zersplittert waren:
- Ganzheitliche Szenario-Planung: Wie bleibt das Unternehmen handlungsfähig, wenn drei kritische Pfeiler gleichzeitig wegbrechen?
- Vorbereitete Entscheidungsräume: Wer darf im Notfall ohne Rücksprache mit dem Gesamtaufsichtsrat Fabriken umstellen oder Zahlungswege ändern?
- Resilienz als Differenzierungsmerkmal: Kunden zahlen Prämien für Lieferanten, die nachweislich auch im globalen Sturm lieferfähig bleiben.